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Digitales Lernen: notwendiges Übel oder Chance für bessere Bildung?

Von: Mersiha Kovačević, Lerndesignerin, Tako Lako

Ein Kind sitzt vor einem Laptop mit Kopfhörern auf den Ohren. Immer wieder schaut es sich um, verzweifelt auf der Suche nach etwas Interessanterem. Auf der anderen Seite des Bildschirms wechselt der Lehrer die Folien und spricht unermüdlich. Hin und wieder hält er inne: „Gibt es Fragen?“ Stille. Er fährt fort.

Wenn Sie Eltern eines schulpflichtigen Kindes sind, kommt Ihnen diese Szene sicher bekannt vor. Und Sie haben sich vielleicht gefragt: Macht das überhaupt Sinn? Lernt es überhaupt etwas? Vielleicht betrachten Sie digitalen Unterricht als ein „notwendiges Übel“ – etwas, das man geduldig ertragen muss, bis die Kinder wieder in die Schulbänke zurückkehren. Aber was, wenn der Unterricht in der Schule genauso abläuft? Dem Kind ist es vielleicht genauso langweilig – nur sehen wir es dort nicht.

Damit Online-Lernen effektiv ist und Bildungsziele erreicht werden können, muss digitaler Unterricht unter Berücksichtigung mehrerer Prinzipien geplant werden.

 

Ein Mädchen mit Kopfhörern auf dem Kopf

 

1. Schülerzentrierter Unterricht

Zunächst ist es – wie im Klassenzimmer – notwendig, einen guten Überblick über die sprachlichen Bedürfnisse des Kindes zu haben. Versteht das Kind Bosnisch größtenteils, kann sich aber nicht korrekt ausdrücken? Oder spricht es die Sprache bereits einigermaßen fließend, fehlt ihm aber beim Sprechen der Wortschatz? Die Antworten auf diese und andere Fragen können im Online-Umfeld schneller und effizienter gewonnen werden als im Klassenzimmer und sind entscheidend für die Wahl des passenden Unterrichtsansatzes.

Den Schüler in den Mittelpunkt zu stellen bedeutet auch, ihm die Möglichkeit zu geben, die Zielsprache aktiv während des Unterrichts zu nutzen. Im Online-Umfeld kann dies durch die sogenannte „Flipped Classroom“-Methode erreicht werden. Zum Beispiel hört das Kind zu Hause ein Gespräch zwischen zwei Kindern, die sich kennenlernen. Danach sieht es ein kurzes Video, das die Grammatik erklärt. Wenn es zum Unterricht kommt, übt es das Gespräch mit anderen Kindern aus der Gruppe, mit Feedback der Lehrerin. Kein langweiliger, direkter Frontalunterricht.

 

2. Was „will“ das Gehirn?

Das Gehirn liebt Informationen am meisten, wenn sie im Kontext präsentiert werden, da Kinder so auch im echten Leben lernen. Wenn man sich beispielsweise am Strand befindet, lernt das Kind wahrscheinlich neue Wörter rund um den Strand. Das bedeutet, dass eine „Geschichte“ vorhanden sein sollte, die alle neuen Wörter oder Grammatik zu einer Einheit verbindet – vom Anfang bis zum Ende der Lektion, einschließlich der Hausaufgaben. Eine Geschichte könnte zum Beispiel ein Einkauf im Supermarkt sein. Die Kinder sehen zu Hause ein Video über den Supermarkt und lösen ein bildhaftes Quiz zu Obst und Gemüse aus dem Gespräch. Im Unterricht sprechen sie dann darüber, welche Lebensmittel sie im Supermarkt kaufen.

Außerdem liebt das Gehirn es, wenn neue Inhalte mit bisherigen Erfahrungen verknüpft werden. Die meisten Kinder waren mindestens einmal im Leben mit ihren Eltern im Supermarkt, warum sie also nicht bitten, diese Erfahrung als Hausaufgabe nach dem Unterricht zu teilen?

Zudem haben zahlreiche Studien gezeigt, dass Unterricht im Einklang mit Erkenntnissen darüber geplant werden sollte, wie das Gehirn funktioniert und was das Lernen neuer Inhalte beeinflusst. Beispielsweise ist wissenschaftlich belegt, dass das Arbeitsgedächtnis 3 bis 7 Dinge gleichzeitig behalten kann (die 5±2-Regel). Das bedeutet, dass manche Kinder 3 neue Wörter im Unterricht aufnehmen können, während andere mehr lernen können, jedoch nicht mehr als 7 – daher muss der Wortschatzunterricht entsprechend geplant werden.

Dies sind nur einige der Prinzipien, die bei der Planung (digitalen) Unterrichts berücksichtigt werden sollten.

 

Ein Kind schüttet Sand auf einen Teil eines Zauns.

 

3. Bitte, keine Routine

Es gibt viele Gründe, warum Kinder verschiedene Arten von Routinen brauchen, aber stellen Sie sich eine Welt vor, in der ein Kind jederzeit genau weiß, was im Unterricht passieren wird. Stellen Sie sich vor, Sie wüssten immer, was als Nächstes bei der Arbeit passiert. Nicht besonders motivierend, oder?

Unser Gehirn ist darauf programmiert, Vielfalt zu mögen (vielleicht mögen deshalb alle Kinder Überraschungseier?), daher sollte dies auch in den Online-Unterricht integriert werden. Statt nur Lesegeschichten könnte es zum Beispiel Audio-Versionen derselben Geschichten geben, animierte Videos, Gespräche oder interaktive Spiele. Das Gehirn nimmt neue Inhalte besser auf, wenn sie auf unterschiedliche Weise präsentiert werden – warum also nicht möglichst viele Darstellungsformen nutzen? Auf diese Weise wird auch inklusiver Unterricht ermöglicht, sodass Kinder mit unterschiedlichen Lernbedürfnissen Zugang zum Unterricht haben, was im Klassenzimmer oft schwieriger ist.

 

4. Emotionale Verbindung

Neben der sinnvollen Verknüpfung neuer Inhalte vergessen wir bei der Vorbereitung von Online-Unterricht oft, dass wir alle soziale Wesen sind. In der Schule haben Kinder und Lehrkräfte zahlreiche Möglichkeiten, sich durch tägliche Interaktionen emotional zu verbinden und eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen.

Auch im Online-Umfeld ist emotionale Verbindung möglich, aber da es keine zufälligen täglichen Interaktionen gibt, müssen gezielt Aktivitäten geplant werden, die den Aufbau einer positiven Beziehung ermöglichen. Zum Beispiel ein Kind anrufen, um zu sehen, wie es ihm geht. Eine Nachricht oder digitale Karte mit Genesungswünschen senden, jede Woche ein Begrüßungsvideo für die ganze Gruppe aufnehmen, Kennenlernaktivitäten zu Kursbeginn durchführen oder interessante persönliche Informationen teilen und Ähnliches.

Wenn Kinder die Möglichkeit haben, sich durch Spiele und Aktivitäten im Unterricht kennenzulernen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie sich im Unterricht ohne Angst vor Spott ausdrücken können.

 

Und zum Schluss…

Während es im Klassenzimmer ausreicht zu sagen „Macht Aufgabe 5“ oder „Sprecht mit eurem Sitznachbarn über den Supermarkt“, ist es im digitalen Unterricht manchmal notwendig, sehr detaillierte Anweisungen zu geben, das Verständnis zu überprüfen und sogar Anleitungen zur Nutzung bestimmter digitaler Tools aufzunehmen. Wichtig ist zu помнить, dass digitaler Unterricht besser sein kann als Unterricht im Klassenzimmer – aber nur, wenn er schülerzentriert ist, auf neurowissenschaftlichen Prinzipien basiert, vielfältige Inhalte nutzt und eine emotionale Verbindung zu den Kindern aufbaut.